Wappen von MusbachUntermusbach

Das neue Schulhaus von 1910

Das neue Schulhaus wurde von Ober- und Untermusbach gemeinsam gebaut und 1910 eingeweiht. Heute befinden sich in diesem Haus der Kindergarten, die Ortschaftsverwaltung, das Gemeindearchiv und eine Wohnung.
In der Tageszeitung "Der Grenzer" wurde 1910 zur Einweihung des Schulhauses ein schöner Artikel veröffentlicht, der hier aufrufbar ist.

Da der Artikel in Frakturschrift geschrieben ist, habe ich ihn wegen der besseren Lesbarkeit abgeschrieben:

Das neue Schulhaus der Gemeinden Ober- und Untermusbach

 

 

Unser Bild zeigt das am 25. Juli 1910 eingeweihte Schulhaus der Bezirkschulgemeinde Ober- u. Untermusbach. Mit einem Kostenaufwand von 50000 Mark wurde das Schulhaus nach den Plänen des Herren Oberamtsbaumeisters Schäfer und unter seiner Leitung erbaut. Nun es fertig dasteht und seinem Zwecke dient, rechtfertigt es selbst am besten den gemachten Aufwand.

Am Nordausgang von Untermusbach liegt das neue Schulhaus freundlich am Zusammenfluß der beiden von Untermusbach und Hallwangen nach Obermusbach führenden Straßen. Es hätte kaum ein günstigerer Platz gefunden werden können so ziemlich in der Mitte der Schulgemeinde. Wir verdanken ihn dem Entgegenkommen des inzwischen gestorbenen Bauern Jakob Friedrich Schmid von Untermusbach, welcher das erforderliche Areal von seiner Baumwiese am Haus um den Morgenpreis von 3000 Mk. abgetreten hat. Verläßt man am Nordende von Untermusbach das Dorf, so liegt das neue Schulgebäude prächtig da. Ebenso bietet es sich sehr schön dar von Obermusbach her. Auf hohem Buntsteinsockel erhebt sich der massive Schulstock mit silbergrauem Terranovaverputz, darüber der Wohnstock aus Fachwerk mit freundlich abgetönter Verschindelung. Das hohe 4seitige Dach ist ansprechend gegliedert. Insbesondere wird es belebt durch den Turmaufbau über der Südwestecke, welche das Treppenhaus und den Eingang zur Lehrerwohnung enthält. Auf der West- und Nordseite führen Freitreppen mit Eisengeländer zu den in Sandsteinbögen ausgeführten Eingängen zu den Schulräumen. Gegen die Straßen ist westlich und nördlich je ein kleiner Vorplatz vorgelagert. An der Südseite liegt der Garten, östlich der Turnplatz, an dessen Nordende das Schülerabortgebäude steht. Der Holzzaun, der an den Straßenseiten zwischen abgerundeten Sandsteinpfeilern steht, umsäumt das Ganze, das einen vornehmen Eindruck macht.

Tritt man durch eines der Portale in den Schulstock, so berührt schon in den Gängen der weite lichte Raum wohltuend. Die beiden Schulsäle lassen sich, ohne dass ein Gedränge entsteht, durch die beiden Ausgänge gleichzeitig und rasch entleeren. Auch als Aufenthaltsort für die Schüler außerhalb der Schullokale können bei schlechter Witterung die weiten Gänge, die durch Wandschmuck wohnlich gemacht sind, trefflich Verwendung finden. Beide Schulsäle entsprechen allen Anforderungen. Licht, luftig, geräumig und doch nicht zu groß, sind sie in freundlichem Farbton gehalten, die Wände mit Bildern geziert; bequeme zweisitzige Rettigbänke bieten für 70 und 60 Kinder Raum. Der größere, nach Süden gelegene Saal, dient der Oberklasse. Der kleinere Schulsaal der Unterklasse liegt nach Osten. An der Westseite befindet sich ein schönes Bibliothekzimmer. Es dient zur Aufnahme der Schulbibliothek und Lehrmittelsammlung, sowie der Ortslesebibliothek, wird einen Krankenpflegekasten für die Gemeinden Ober- und Untermusbach erhalten und soll als Sitzungszimmer für Ortsschulrat und Schulgemeinderat und auch zu sonstigen Gemeindezwecken genützt werden. Durch eine Glastür gelangt man von dem westlichen Gang des Schulstocks in das Treppenhaus. Eine bequeme Treppe führt in die Wohnung des Lehrers. War schon im untern Stock weiter Raum, hier herrscht Raumfülle: fünf große, sonnige Zimmer, das Wohnzimmer mit Linoleumbelag, Küche und Zubehör, Badestube mit Einrichtung, großer Vorplatz, im Dachstock ein weiteres Zimmer und eine Kammer. Man wird weit gehen können, bis man eine so schöne Lehrerwohnung antrifft. Im Untergeschoß sind Keller, Waschküche, Kohlenräume untergebracht. Für den unständigen Lehrer der neu zu schaffenden 2. Schulstelle bleibt die frühere Lehrerwohnung im alten Schulhaus vorbehalten.

Alles in allem: Das Werk lobt seinen Meister und mit ihm seine tüchtigen Bauführer und die Handwerksleute, die meist aus Untermusbach und nächster Umgebung waren. Möge das neue Schulhaus lange stehen und den beiden Gemeinden, die so große Opfer gebracht haben, durch viele Geschlechter reichen Segen bringen!

Gefunden und abgeschrieben von Hans Rehberg
© HRehberg 2011 |Impressum|